HUMAN RIGHTS TALK: Unerwünschte Erinnerung an Stalins Repressionen – Menschenrechte, Machtpolitik und historische Narrative
Donnerstag, 23. Oktober 2025, 18:00, Einlass ab 17:30
Universität Graz, Meerscheinschlössl, Mozartgasse 3, 8010 Graz; online
Englisch
Link wird nach Anmeldung via E-mail ausgesendet
Expert:innen und Nachfahren Betroffener diskutieren zum kollektiven Gedächtnis Russlands, unterdrückter Erinnerungskultur und den Implikationen für die russische Innen- und Außenpolitik.
Der „Große Terror“ markiert ein von Massenrepression und systematischer Verfolgung von „Volksfeinden“ geprägtes Zeitalter in der Sowjetunion, das seinen Höhenpunkt zwischen 1936 und 1938 erreichte. Allein in diesem Zeitraum kam es zur Verhaftung von etwa 1,5 Millionen Menschen. Ungefähr die Hälfte wurde erschossen, die andere wurde in die GULAGs – Konzentrations- und Straflager – verschleppt oder in Gefängnissen inhaftiert. Ungeachtet des gewaltigen Ausmaßes der Repression gab es keinen systematischen Versuch des russischen Staates, der Opfer zu gedenken und historische Gerechtigkeit herzustellen. Der Große Terror hat bei den Betroffenen, deren Nachkommen und der Zivilgesellschaft ein kollektives Trauma hinterlassen; Menschenrechtsorganisationen sind bis heute mit der Aufarbeitung beschäftigt.
Welche Verantwortung trägt der Staat für die Bewahrung des historischen Gedächtnisses und was passiert, wenn dieses stattdessen ausgelöscht wird? Wie haben Massenrepression und die sich wandelnde kollektive Wahrnehmung dieser Ereignisse die Entwicklung von Menschenrechtsbewegungen und der Zivilgesellschaft in der Sowjetunion und im heutigen Russland beeinflusst? Welche Verbindungen lassen sich zum politischen Kurs Russlands insgesamt herstellen, insbesondere im Hinblick auf Fälle von „selektivem Gedächtnisverlust“ als Teil der modernen antiwestlichen Propaganda? Nicht zuletzt lohnt ein Blick über die Grenzen hinaus: Welche Nachwirkungen entfalten die Massenrepressionen der Sowjetzeit bis heute auf internationaler Ebene? Und lassen sich in anderen Erdteilen ähnliche Tendenzen beobachten? Hochkarätige Expert:innen diskutieren die historischen und gegenwärtigen Auswirkungen der politischen Repression in der Sowjetunion auf Zivilgesellschaft und Menschenrechte.
Begrüßung
- Barbara STELZL-MARX, Direktorin, Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung; Professorin für europäische Zeitgeschichte, Universität Graz
- Michael Lysander FREMUTH, Wissenschaftlicher Direktor, Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte; Professor für Grund- und Menschenrechte, Universität Wien
- Joachim REIDL, Vizerektor, Universität Graz
- Elvira WELZIG, Geschäftsführerin, Ludwig Boltzmann Gesellschaft
Keynote
- Nikita PETROV, stv. Vorsitzender, Forschungs- und Informationszentrums Memorial
Podiumsdiskussion
- Anna GRAF-STEINER, Post-Doc, Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung
- Pavel KOGAN, Mitglied, Memorial Friends Austria
- Sofiya LIPENKOVA, Projektmanagerin, Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte
- Nikita PETROV, stv. Vorsitzender, Forschungs- und Informationszentrums Memorial
- Anatoly RESHETNIKOV, Assistenzprofessor, Webster Vienna Private University
Publikumsdiskussion
Moderation
- Wolfgang MUELLER, stv. Institutsvorstand, Institut für Osteuropäische Geschichte, Universität Wien
Im Anschluss: Empfang
Weitere Informationen finden Sie im Downloadbereich. Die Teilnahme ist kostenlos. Aufgrund des limitierten Platzangebotes bitten wir bis Mittwoch, 22. Oktober 2025 um Anmeldung. Wir bitten um Verständnis, dass ohne Anmeldung leider kein Einlass möglich ist. Die Anmeldung für den Videostream ist über dasselbe Formular möglich.
Aus Sicherheitsgründen werden vor Beginn der Veranstaltung Taschenkontrollen durchgeführt. Wir ersuchen Sie daher, die Möglichkeit zum Einlass ab 17:30 zu nutzen. Informationen zu unseren Datenschutzrichtlinien finden Sie hier.
Wir dürfen Sie ebenfalls informieren, dass während des Events Foto- und Videoaufnahmen gemacht werden.