100 Jahre Österreichische Liga für Menschenrechte: Festakt in Wien
Michael Lysander Fremuth betonte die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft und die zentrale Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure.
Am 16. März 2026 feierte die Österreichische Liga für Menschenrechte ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Großen Festsaal der Universität Wien. Vertreter:innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik kamen zusammen, um auf ein Jahrhundert Menschenrechtsarbeit zurückzublicken und aktuelle Herausforderungen zu diskutieren.
In seinem Grußwort hob Michael Lysander Fremuth, wissenschaftlicher Direktor des Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR), die enge Verbindung zwischen der Universität Wien und der Liga hervor – getragen von einem gemeinsamen Anspruch, mit ihren Tätigkeiten den Menschenrechten zu dienen, ebenso wie von der Relevanz und Exzellenz ihrer Arbeit.
Zugleich wandte er sich gegen die Vorstellung eines von der Gesellschaft abgekoppelten „Elfenbeinturms“: Wissenschaft wirke stets in die Gesellschaft hinein, wobei Wissenschafter:innen Verantwortung über den akademischen Raum hinaus übernähmen – in vielfältiger Weise und mit konkreten Auswirkungen auf öffentliche Debatten und gesellschaftliche Entwicklungen.
Mit Blick auf die Arbeit der Liga würdigte Fremuth ihre Rolle als kritische Beobachterin der Menschenrechtssituation, als Koordinatorin zivilgesellschaftlicher Beiträge in internationalen Verfahren sowie als Plattform für Austausch und Positionierung. Menschenrechte, so seine zentrale Botschaft, lebten von ihrer Überzeugungskraft ebenso wie vom offenen, auch kontroversen Diskurs.
Diese Offenheit für Auseinandersetzung zeigt sich auch in der engen Zusammenarbeit zwischen der Liga und dem LBI-GMR, etwa im Rahmen der Human Rights Talks, die aktuelle Themen aufgreifen und unterschiedliche Perspektiven zusammenführen.
Vor dem Hintergrund globaler Entwicklungen verwies Fremuth zudem auf den zunehmenden Druck auf demokratische Systeme – eine Entwicklung, die die Bedeutung von Wissenschaft, Zivilgesellschaft und öffentlichem Austausch weiter unterstreicht.
Auch das restliche Programm verband historische und gegenwartsbezogene Perspektiven: Beiträge zur Geschichte der Liga, aktuelle Einordnungen zur Lage der Menschenrechte sowie Ausblicke auf zukünftige Herausforderungen prägten den Abend. In Zeiten wachsender gesellschaftlicher Polarisierung wurde die Bedeutung unabhängiger Institutionen und engagierter Zivilgesellschaft besonders deutlich.
Er umfasste Grußworte und Festreden von Sebastian Schütze, Rektor der Universität Wien, Thomas Hellmuth, Leiter des Instituts für Geschichte der Universität Wien, Barbara Helige, Präsidentin der Österreichischen Liga für Menschenrechte, Alexander Van der Bellen, Bundespräsident der Republik Österreich, Volker Türk, Hochkommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte sowie Elisabeth Holzleithner, Leiterin des Instituts für Rechtsphilosophie und Legal Gender Studies.
In ihrer Festrede beleuchtete Holzleithner unterschiedliche Dimensionen der Menschenrechte: von aktuellen politischen und ideologischen Anfechtungen, denen sie ausgesetzt sind, über ihre Begründung mit einem Ethos gleicher, solidarischer Freiheit und ihre rechtliche Verfestigung auf globaler, nationaler und lokaler Ebene bis zur zentralen Rolle der Zivilgesellschaft für ihre Einbettung.
Es moderierte Journalistin Corinna Milborn; die musikalische Begleitung kam von Court Brass.
Der Festakt war Teil des Archiv-, Forschungs- und Vermittlungsprojekts „100 Jahre Österreichische Liga für Menschenrechte“ (Projektleitung: Christopher Treiblmayr, Projektkoordination: Angelika Watzl, Barbara Helige, weitere Informationen unter: https://liga.or.at/forschungen-zu-den-menschenrechtsligen/).