Abschlusstagung des Projekts „BAG-Sign“
Bedarfsorientierte pädagogische Grammatik stärkt inklusive Bildung in Gebärdensprache
Das Projekt „BAG-Sign“ (Be Aware of the Grammar of Sign Languages) befasste sich in den vergangenen drei Jahren mit der Entwicklung einer bedarfsorientierten pädagogischen Grammatik für fünf europäische Gebärdensprachen. Die Ergebnisse leisten einen Beitrag zur Föderung von Sprachrechten tauber Menschen und zur Stärkung inklusiver Bildung in Europa.
Am 8. November 2025 wurden die Ergebnisse des Projekts bei der Abschlusstagung präsentiert. Die neu entwickelte, webbasierte Grammatik deckt fünf europäische Gebärdensprachen ab: Österreichische Gebärdensprache (ÖGS), Deutsche Gebärdensprache (DGS), Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS), Italienische Gebärdensprache (LIS) sowie Französische Gebärdensprache (LSF). Ergänzend dazu wurden Schulungen und Online-Tutorials für Lehrkräfte entwickelt, um die Qualität des Unterrichts nachhaltig zu verbessern. An der sechssprachig durchgeführten Veranstaltung beteiligten sich über 330 Teilnehmende aus 41 Ländern. Die vorgestellte pädagogische Grammatik ist ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der sprachlichen Rechte gehörloser Menschen.
Die Materialien stehen ab sofort kostenlos und frei zugänglich für Lernende und Lehrende zur Verfügung.
***********************
Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) ist seit dem Jahr 2005 in §8 Abs. 3 der österreichischen Bundesverfassung als eigenständige Sprache anerkannt. Österreich gehört damit zu den rund 80 Ländern der Welt, die ihren nationalen Gebärdensprachen Rechte einräumen. Seit der Anerkennung sind jedoch fast keine weiteren gesetzlichen oder politischen Maßnahmen erfolgt. Die gebärdensprachige Minderheit – insbesondere taube Gebärdensprachnutzer:innen – leidet unter starker Benachteiligung: ÖGS-Kurse für Eltern tauber Kinder werden nicht finanziert, und es herrscht Mangel an Dolmetscher:innen. ÖGS ist erst seit Herbst 2025 ein Unterrichtsfach. Europaweit, auch in Österreich, fehlen geeignete Materialien für den Gebärdensprachunterricht.
Das von der Europäischen Kommission kofinanzierte Projekt „BAG-Sign“ unter Leitung der Humboldt/Universität zu Berlin ist eine gemeinsame Initiative des Ludwig Boltzmann Instituts für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR), der Université Paris 8, des Consiglio Nazionale delle Ricerche Roma und der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen und Lehrpersonen aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und der Schweiz wurde eine bedarfsorientierte pädagogische Grammatik für fünf europäische Gebärdensprachen entwickelt. Das Projekt ist Teil des Erasmus+-Programms der Europäischen Union.
Ziel des Projekts ist es, gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Schüler:innen zu ermöglichen, sich mit den grammatikalischen Strukturen ihrer nationalen Gebärdensprache auseinanderzusetzen. Dadurch wird Bewusstheit für metasprachliche Strukturen gestärkt. BAG-Sign überträgt linguistische Erkenntnisse in eine pädagogische Grammatik für Gebärdensprachen und qualifiziert Lehrkräfte für den Grammatikunterricht. So verbessert sich die Qualität des Gebärdensprachunterrichts, was wiederum zur Bildung einer inklusiven Gesellschaft beiträgt.