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20 Mai 2026 von lbigmr

Drei Dialoge zu den ökonomischen Lebensrealitäten von Frauen* mit Behinderungen

Wie erleben Frauen* mit Behinderungen ihre finanzielle Situation und welche Rolle spielen dabei Arbeit, ökonomische Abhängigkeiten von Familienangehörigen oder Unterstützungssystemen, strukturelle Hürden und Mental Load? Drei Austauschformate in Wien, online und in Linz machten Belastungen aber auch Strategien sichtbar und zeigten zugleich, welche Bedeutung Wissen, Reflexion und gegenseitige Unterstützung haben.

Im Rahmen des Projekts „Frauen* mit Behinderungen als Mentorinnen für ökonomische Selbstbestimmung – Strategien zur Entlastung von Mental Load“ fanden drei Austauschtreffen statt: ein erstes Treffen in Wien, ein digitales Format sowie ein regionaler Dialog in Linz. Das letzte Treffen wird am 26. Juni 2026 in Innsbruck stattfinden. Ziel ist und war es, Erfahrungen zu teilen, strukturelle Probleme sichtbar zu machen und Handlungsspielräume zu diskutieren.

Im Februar in Wien

Bereits beim Auftakt am 27. Februar 2026 in Wien zeigte sich die Bandbreite der Themen: von eingeschränkten Erwerbsmöglichkeiten über zusätzliche Kosten für Unterstützungsleistungen und Therapien bis hin zu komplexen und undurchsichtigen Unterstützungs- und Sozialleistungssystemen. Viele Teilnehmerinnen berichteten von finanzieller Unsicherheit in allen Lebensphasen, insbesondere in Hinblick auf die Sorge vor Altersarmut. Gleichzeitig wurde deutlich, wie eng finanzielle Fragen mit Selbstbestimmung sowie mit Lebens- und Zukunftsperspektiven verknüpft sind. Dies zeigt sich etwa dann, wenn Zuverdienstgrenzen oder Gutachtungsprozesse mitbestimmen, in welcher Weise Frauen* ihre Lebensplanung gestalten, Erwerbsarbeit nachgehen, Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen oder finanzielle Entscheidungen treffen können.

Im März online

Das anschließende Online-Treffen am 25. März 2026, an dem Frauen* aus ganz Österreich teilnahmen, fokussierte auf Fragen von Verantwortung und Fürsorge – sowohl für sich selbst als auch gegenüber anderen. Dieses Spannungsfeld wurde insbesondere im Kontext von Care-Arbeit und Mental Load sichtbar. Deutlich wurde dabei, dass der Mental Load von Frauen* mit Behinderungen über den häufig diskutierten Kontext der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hinausgeht. Zusätzliche Anforderungen entstehen etwa durch die Organisation, Koordination und Planung von Unterstützungsleistungen sowie durch das tägliche Bewältigen von Barrieren und strukturellen Hürden im Alltag. Des Weiteren wurde die Frage diskutiert, wie sich intersektionale Diskriminierungsformen neben Geschlecht und Behinderung, etwa soziale Herkunft oder Bildung, auf die ökonomische Lebenssituation auswirken – und dass für dieses Zusammenwirken oft nur wenig Bewusstsein vorhanden ist. Ebenso wurde reflektiert, wie gesellschaftliche Erwartungen und Zuschreibungen vor allem im Kontext von Geld und Finanzen Scham- und Schuldgefühle erzeugen. Bei allen Teilnehmerinnen bestand Einigkeit darüber, dass es sich dabei nicht um individuelles, sondern um strukturelles Versagen handelt.

Im April in Linz

Beim dritten Dialog am 20. April 2026 in Linz stand einerseits die Frage im Mittelpunkt, wie Frauen* mit Behinderungen über den gesamten Lebensverlauf finanziell abgesichert sein können. Besonders präsent war auch hier wieder die Sorge vor Altersarmut. Unterbrochene Erwerbsbiografien und Teilzeitarbeit wirken sich direkt auf die Höhe der Pension aus. Neben den Herausforderungen wurden jedoch auch positive Ansätze und Strategien sichtbar. Als besonders wichtig wurde der Austausch untereinander beschrieben. Das Teilen von Erfahrungen wurde von vielen Teilnehmerinnen als stärkend erlebt und eröffnete Raum für gegenseitige Unterstützung, neue Perspektiven und den Austausch von Wissen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig Angebote sind, die eine begleitete und reflektierte Auseinandersetzung mit der eigenen finanziellen Situation ermöglichen. Hervorgehoben wurde insbesondere der Bedarf an zugänglichen und verständlichen Informationen darüber, welche Ansprüche bestehen und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Ebenso wurde betont, wie wichtig es ist zu wissen, an welche Stellen sich Frauen* mit Behinderungen mit unterschiedlichen Anliegen wenden können, um in verschiedenen Lebenslagen fundierte finanzielle Entscheidungen treffen zu können.

Bisheriges Fazit

Die drei Dialoge machten deutlich, dass die ökonomische Selbstbestimmung von Frauen* mit Behinderungen eng mit strukturellen Rahmenbedingungen, Zugang zu Informationen und gesellschaftlichen Erwartungen verknüpft ist. Gleichzeitig zeigte sich, wie wichtig Räume für Austausch, Orientierung, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Reflexion sind, um Erfahrungen sichtbar zu machen, Wissen zu teilen und eigene Handlungsmöglichkeiten zu stärken.

Das Projekt wird vom Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte gemeinsam mit dem Verein Frauen mit Behinderungen (FmB) umgesetzt und vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung gefördert. Es untersucht, wie Frauen* mit Behinderungen durch Peer-Austausch und Mentoring in ihrer ökonomischen Selbstbestimmung gestärkt und im Umgang mit Mental Load entlastet werden können. Damit das Projekt für möglichst viele Frauen* gut verständlich ist, verwenden wir neben dem offiziellen Titel zusätzlich einen Titel in vereinfachter Sprache: „Geld und Frauen* mit Behinderungen – Wege zur Entlastung und mehr Selbstbestimmung“.

Weitere Einblicke in das Projekt sowie in die Dialoge auf FmB finden Sie hier.