icon / home icon / small arrow right / light News icon / small arrow right / light Freedom of Speech in a Polarized Era
23 Dez. 2025 von lbigmr

Freedom of Speech in a Polarized Era

Öffentlicher Vortrag und Diskussion mit Carson Holloway am Juridicum

Ist Meinungsfreiheit ein nahezu absolutes Recht, das selbst die verletzendsten und provokantesten Äußerungen schützen muss, oder eine Freiheit, die im Lichte von Geschichte, möglichem Schaden und demokratischer Verantwortung legitimerweise begrenzt werden kann? Diese Frage stand im Zentrum eines öffentlichen Vortrags am 16. Dezember am Juridicum der Universität Wien. Carson Holloway (University of Nebraska at Omaha) und Michael Lysander Fremuth (LBI-GMR, Universität Wien) kamen zu einer transatlantischen Diskussion über Recht, Politik und öffentlichen Diskurs zusammen. Die Veranstaltung wurde von der Universität Wien und dem Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR) im Rahmen des „Konversatoriums für Grund- und Menschenrechte“ co-organisiert.

Holloway erläuterte den US-amerikanischen Zugang zur Meinungsfreiheit, der im First Amendment der Verfassung verankert ist. Er betonte dessen weitreichenden und dauerhaften Schutz, der auch hochgradig kontroverse Ausdrucksformen einschließt, und erklärte, dass US-Gerichte staatliche Eingriffe traditionell stark begrenzen. Hate Speech spiele in den Vereinigten Staaten als rechtliche Kategorie eine vergleichsweise geringe Rolle, während Einschränkungen der Meinungsfreiheit vor allem in jüngerer Rechtsprechung verstärkt thematisiert würden.

Demgegenüber stellte Fremuth den stärker regulierten europäischen Rechtsrahmen dar, in dem Meinungsfreiheit ausdrücklich mit anderen Grundrechten in Ausgleich gebracht wird. Er verwies auf historische Erfahrungen als maßgeblichen Faktor für rechtliche Grenzziehungen, etwa bei der Strafbarkeit von Gewaltaufrufen sowie der Leugnung oder Verherrlichung des Holocaust, und hob unterschiedliche gesellschaftliche Erwartungen an die Rolle des Staates hervor.

Die Diskussion griff zudem aktuelle Kontroversen in den Vereinigten Staaten auf, darunter die Einstellung von Fernsehformaten sowie die Entfernung bestimmter Bücher aus Bibliotheken. Holloway argumentierte, dass solche Entwicklungen nicht zwangsläufig als Verletzungen der Meinungsfreiheit zu werten seien, solange der Zugang über den freien Markt weiterhin bestehe. Fremuth betonte demgegenüber den engen Zusammenhang zwischen Meinungsfreiheit und dem effektiven Zugang zu Information.

Im Anschluss entwickelte sich eine ausgedehnte und engagierte Diskussion mit dem Publikum. Fragen und Wortmeldungen thematisierten Spannungsverhältnisse zwischen Meinungsfreiheit und struktureller Diskriminierung, die Grenzen akademischer Freiheit sowie die Bedeutung von Informationszugang in demokratischen Gesellschaften und machten deutlich, wie umkämpft und kontextabhängig Meinungsfreiheit in polarisierten öffentlichen Debatten ist.