Studienbesuch: Austausch praktischer Erfahrungen zur Verbesserung des Opferschutzes im Bereich geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV)
In der ersten Oktoberwoche 2025 besuchte eine Delegation aus Nordmazedonien Österreich. Der Studienbesuch zielte darauf ab, Erfahrungen, bewährte Methoden und Herausforderungen mit verschiedenen Organisationen auszutauschen, die im Bereich des Schutzes und der Unterstützung von Opfern geschlechtsspezifischer Gewalt tätig sind.
Die dreitägige Studienreise nach Österreich fand im Rahmen des EU-finanzierten Projekts „EU-Unterstützung für Rechtsstaatlichkeit in Nordmazedonien“ statt. Zu den zehn Mitgliedern der Delegation gehörten Vertreter:innen des Ministeriums für Sozialpolitik, Demografie und Jugend, des Städtischen Zentrums für Sozialarbeit und des Referenzzentrums für Opfer sexueller Gewalt. Die Delegation wurde von unseren Kolleginnen Hannah Baumann und Susanne Belihart begleitet.
Tag 1: Beratung und Empowerment für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt
Am ersten Tag wurde die Delegation von unserer administrativen Direktorin Patricia Mussi-Mailer im Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR) begrüßt. Während des Einführungstermins gab Sabine Mandl einen Überblick über den rechtlichen Rahmen Österreichs zur Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt, und Susanne Belihart berichtete über die Erfahrungen des Instituts mit Twinning-Projekten. Während des Besuchs bei dem Bund Autonome Frauenberatungsstellen für sexuelle Gewalt Österreich (BAFÖ) sprach die Leiterin der Organisation, Ursula Kussyk, über ihre Erfahrungen mit der Bearbeitung von Fällen, interne Richtlinien und Verfahren, Sicherheitsvorkehrungen für Opfer, die Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen und die Schwierigkeiten, mit denen sie bei ihrer Arbeit konfrontiert sind.
Am Nachmittag gab die Geschäftsführerin von Ninlil, Elisabeth Udl, der Delegation Einblicke in ihre Tätigkeiten. Die Organisation hat sich auf das Thema der sexuellen Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen spezialisiert. Sie berichtete über ihre Erfahrungen im Bereich geschlechtsspezifischer Gewalt, hob die Bedeutung von Empowerment-Maßnahmen hervor, stellte ihr Instrument, die „Power-Back Bag“, vor und erörterte ihre Kooperationsmechanismen mit öffentlichen Einrichtungen, spezialisierten Einrichtungen und anderen NGOs.
Tag 2: Schutz für Opfer von Gewalt
Der zweite Tag der Reise begann beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser – AÖF. Martina Knoll, Teamleiterin, berichtete über ihre Erfahrungen und stellte der Delegation Maßnahmen vor, die sie zur Sensibilisierung der Bevölkerung ergreifen, ihre Sicherheitsmaßnahmen für Opfer und Mitarbeiter:innen sowie die Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen. Beimm anschließenden Besuch des Zentrums für Kinderschutz, die möwe, gab Bettina Petershofer-Rieder, klinische und Gesundheitspsychologin, Einblicke in ihre Dienste, Beratungsangebote und Sensibilisierungsmaßnahmen für von Gewalt betroffene Kinder.
Zum Abschluss des Tages wurde NEUSTART besucht, eine Einrichtung, die sich insbesondere auf die Arbeit mit Gewalttäter:innen und deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft konzentriert, um eine Wiederholung der Straftaten zu verhindern. Die Leiterin der Organisation, Dina Nachbaur, erklärte, wie ihre Arbeit zu einem Neuanfang für Straftäter beiträgt, und betonte dabei ihren opferorientierten Ansatz.
Tag 3: Junge Männer gegen Gewalt und öffentliche Stellen, die Opfer unterstützen
Am letzten Tag der Studienreise wurde die Delegation vom Team von Bakhti unter der Leitung von Katrin Schneeweis empfangen. Die Organisation ist im Bereich geschlechtsspezifischer Gewalt tätig, konzentriert sich auf die Stärkung von Frauen und ermutigt die Männer dazu, sich in den sozialen Medien gegen Gewalt zu positionieren.
Während des Besuchs in der MA 57 – Frauenservice Wien der Stadt Wien erläuterte Bettina Götz-Preisner, Beraterin mit Schwerpunkt wissenschaftliche Forschung, die Rolle der Abteilung und den Umfang ihrer Aufgaben im Zusammenhang mit geschlechtsspezifischer Gewalt. Dazu gehören Frauenhäuser, eine rund um die Uhr erreichbare Hotline, Sensibilisierungsmaßnahmen und die Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen und NGOs.
Die Delegation beendete ihren Besuch im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, wo Benedikt Treschnitzer (Experte für geschlechtsspezifische Gewalt), Andreas Schaller (Leiter für bilaterale Beziehungen und internationale Angelegenheiten) und Harald Breza-Fugger (Sonderattaché des Ministeriums für Nordmazedonien) Einblicke in ihre Arbeit im Bereich geschlechtsspezifischer Gewalt und Gewalt gegen Frauen und Männer sowie über ihre Bemühungen zur Stärkung und Verbesserung der Maßnahmen zum Schutz der Opfer in Österreich teilten.
Die Studienreise diente als wichtige Gelegenheit zum gegenseitigen Lernen durch Austausch. Beide Seiten teilten ihr Wissen über die Strukturen ihrer Institutionen, ihre Standards und Richtlinien für die Unterstützung und den Schutz der Opfer sowie ihre Sicherheitsmaßnahmen für Opfer und Mitarbeiter:innen. Darüber hinaus wurden die Art und der Umfang ihrer Zusammenarbeit mit anderen relevanten Akteuren wie öffentlichen Institutionen, spezialisierten Diensten und anderen NGOs diskutiert.
Delegation aus Nordmazedonien zum Besuch bei: Frauenhäuser ©LBI-GMR
Delegation aus Nordmazedonien zum Besuch bei: Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz ©LBI-GMR
Delegation aus Nordmazedonien zum Besuch bei: die Möwe ©LBI-GMR
Delegation aus Nordmazedonien zum Besuch bei: Verein Neustart ©LBI-GMR