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21 Sep. 2026 von lbigmr

Teilhabe ist ein Menschenrecht: Begegnung durch Kunst

Zum Welt-Alzheimertag zeigt das Projekt „Ankerpunkte“, wie künstlerisch-kreative Angebote Menschen mit und ohne Demenz zusammenbringen und neue Wege gesellschaftlicher Teilhabe eröffnen.

Demenz betrifft nicht nur Gesundheit, Pflege und Versorgung. Entscheidend ist auch, ob Betroffene ihr Leben selbstbestimmt gestalten und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Ihre Würde, ihre Rechte und ihre Perspektiven müssen dabei im Mittelpunkt stehen. Menschen mit Demenz sind vom menschenrechtlichen Schutzrahmen der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) erfasst. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont ihre Rechte und die Bedeutung einer inklusiven Gesellschaft.

In Österreich leben derzeit rund 170.000 Menschen mit Demenz; bis 2050 wird ein Anstieg auf über 290.000 erwartet (Österreichischer Demenzbericht 2025). Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, wie wir mit dem weiterhin häufig tabuisierten Thema umgehen und Selbstbestimmung, Nichtdiskriminierung und gleichberechtigte Teilhabe konkret ermöglichen können.

Kunst eröffnet neue Wege der Begegnung

Künstlerische Zugänge können besonders dann Räume eröffnen, wenn sich gewohnte Formen von Kommunikation und gesellschaftlicher Teilhabe verändern. Musik, Bewegung, bildnerisches Gestalten, kreatives Schreiben und andere künstlerische und kreative Formen ermöglichen unterschiedliche Wege, sich auszudrücken, einander zu begegnen und miteinander verbunden zu sein.

Forschung zu partizipativen Kunstangeboten für Menschen mit Demenz zeigt, dass diese sozialen Beziehungen und Zugehörigkeit fördern und vorhandene Fähigkeiten von Menschen mit Demenz sichtbar machen können. Dabei geht es weniger um das fertige Kunstwerk als um das gemeinsame kreative Tun: Menschen können sich einbringen, sich ausdrücken und erleben, dass sie als Person gesehen und wertgeschätzt werden. Im Mittelpunkt steht der Mensch in seiner Würde und nicht seine Diagnose.

„Ankerpunkte“: Kunst und Teilhabe im nördlichen Waldviertel

Genau hier setzt das Projekt „Ankerpunkte“ an. Das Projekt wird unter der Leitung des LBG Open Innovation in Science Center (LBG OIS Center) gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR) umgesetzt. Als Praxispartner bringt der Verein Nachbarschaftskultur lokale Expertise und Vernetzung ein und unterstützt die partizipative Umsetzung vor Ort.

„Ankerpunkte“ entwickelt und erprobt in einem partizipativen und co-kreativen Prozess künstlerisch-kreative Praktiken für den Umgang mit Demenz im ländlichen Raum. In die Entwicklung und Umsetzung sind Menschen mit Demenz und Angehörige ebenso einbezogen wie Menschen aus der Region, lokale und regionale Partner:innen, Vereine, Künstler:innen, Gemeindevertreter:innen, die Community Nurse und das LBI-GMR. Die unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven fließen in die Entwicklung und Erprobung der Angebote ein.

Bereits im Juni 2026 wurde eine erste Serie von Workshops erprobt und weiterentwickelt. Seit September findet eine zweite Workshop-Serie statt: Zeichnen und Gestalten in Sallingberg, Musik und gemeinsames Singen in Neupölla sowie Bewegung und Tanz in Waldenstein. An jedem Standort finden vier Workshops statt.

Wie Musik Menschen zusammenbringt

Wie unmittelbar Kunst und Begegnung verbinden können, zeigte sich beim jüngsten Musikworkshop in Neupölla. Begleitet von einer Ziehharmonika wurden gemeinsam bekannte Volkslieder und Schlager gesungen, gelacht und geklatscht. Die Musik sorgte für Verbindung, Freude und viele humorvolle Momente.

In der Kaffeepause kamen die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch, lernten einander näher kennen und tauschten sich aus. Die gute Stimmung war auch am Ende spürbar: Viele blieben noch länger zusammen und äußerten den Wunsch, wieder dabei zu sein.

Teilhabe bedeutet mehr als dabei zu sein

Teilhabe bedeutet mehr, als bei einem Angebot dabei zu sein. Es geht darum, eigene Interessen und Fähigkeiten einbringen zu können und als gleichberechtigter Teil der Gesellschaft wahrgenommen zu werden.

Kreative Begegnungsräume können dazu beitragen, solche Teilhabe konkret erfahrbar zu machen und damit Menschenrechte im Alltag mit Leben zu füllen.

Die Erfahrungen aus der Entwicklung, Pilotierung und Reflexion der Angebote sollen jedoch über die einzelnen Workshops hinaus nutzbar werden. Die erprobten künstlerisch-kreativen Praktiken und die zentralen Erkenntnisse aus dem Projekt werden deshalb in einem praxisnahen Handbuch aufbereitet. Es soll Gemeinden dabei unterstützen, ähnliche inklusive Angebote nachhaltig umzusetzen und weiterzuentwickeln.

Die nächsten Ankerpunkte Workshops im Überblick:

Zeichnen und Gestalten mit Anne Glassner | Pfarrhaus Sallingberg

  • 23. September, 14.00–16.00 Uhr
  • 7. Oktober, 10.00–12.00 Uhr
  • 22. Oktober, 10.00–12.00 Uhr
  • 18. November, 14.00–16.00 Uhr

Musik mit Eveline Hieblinger und Josef Richter | Gasthaus Hörndl, Neupölla

  • 6. Oktober, 14.00–16.00 Uhr
  • 20. Oktober, 14.00–16.00 Uhr
  • 3. November, 14.00–16.00 Uhr

Bewegung und Tanz mit Cornelia Voglmayr | Sportrestaurant Hinger, Waldenstein

  • 25. September, 14.30–16.30 Uhr
  • 16. Oktober, 10.00–12.00 Uhr
  • 30. Oktober, 14.30–16.30 Uhr
  • 13. November, 10.00–12.00 Uhr